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von cronos

Differenzmengen: eine Herausforderung für Netzbetreiber und Vertriebe

Die Belieferung von Kleinkunden mit einem Jahresverbrauch kleiner 100.000 kWh und klassischem Stromzähler, der einmal jährlich abgelesen wird, erfordert die Anwendung von Standard-Lastprofilen (SLP). Jeder Verteilnetzbetreiber (VNB) gibt die SLP für sein Netzgebiet vor. Die SLP sollen das typische wochentags- und jahreszeitabhängige Verbrauchsverhalten dieser Kundengruppen je Viertelstunde abbilden. Mit den SLP ermitteln die Lieferanten (Energievertriebe) die Energiemengen zur Belieferung ihrer Kunden im Gebiet des jeweiligen Netzbetreibers.
 
Die Vertriebe steuern so ihre Energiebeschaffung für die SLP-Kunden und stellen die mit den Jahresverbrauchsprognosen (JVP) ausgerollten SLPMengen ihrer Kunden beim jeweiligen VNB in ihre Bilanzkreise ein. Naturgemäß weichen die je Viertelstunde real bezogenen Energiemengen von den ausgerollten SLP-Mengen ab. Daraus resultieren die Differenzmengen als Überspeisung (SLP-Menge größer als real) oder Unterspeisung (SLP-Menge kleiner als real) je Viertelstunde. Synthetisch bilanzierende Verteilnetzbetreiber mit mehr als 100.000 Kunden müssen einen Differenzbilanzkreis, der ausschließlich die Abweichungen aller SLP-Kunden erfasst, führen. Für analytisch bilanzierende VNB empfiehlt es sich.

Ausgleichsenergie nur für nicht vermeidbare Prognose-Abweichungen zulässig
Die Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) beim Lieferanten bzw. VNB sind gegenüber dem jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) für eine ausgeglichene Bilanz zwischen Einspeisungen und Entnahmen je Viertelstunde verantwortlich. Als Schnittstelle zwischen Netznutzern und ÜNB tragen die BKV die wirtschaftliche Verantwortung für Abweichungen. Wesentliche Aufgabe der ÜNB ist die Aufrechterhaltung der Netzstabilität nach dem 50-Hz-Kriterium, d. h. die eingespeiste und ausgespeiste Energie im Regelverbundsystem jederzeit im Gleichgewicht zu halten. Aus diesem Grund müssen die ÜNB verbliebene Abweichungen in den Bilanzkreisen der BKV durch Ausgleichsenergie zu null stellen. Um Gefahren für die Netzstabilität möglichst gering zu halten, sind die BKV zur Bewirtschaftung ihrer Bilanzkreise verpflichtet. Mit sorgfältigen Prognosen der erwarteten Abweichungen zwischen SLP-Mengen und realem Bezug müssen sie die Bilanzabweichungen minimieren. Ausgleichsenergie zur Lastdeckung bei Unterspeisung bzw. zur Kompensation von Überspeisung darf nur für nicht prognostizierbare Abweichungen in Anspruch genommen werden.

Hohes wirtschaftliches Risiko
Unabhängig von der Verpflichtung zur sorgfältigen Bewirtschaftung müssen Bilanzkreisverantwortliche aus wirtschaftlichen Gründen ein hohes unmittelbares Interesse daran haben. Denn mit bis zu 6.000 Euro/MWh je Viertelstunde (2014) ist die Preisstruktur reBAP1 der Ausgleichsenergie hochvolatil. Hinzu kommen Strafzuschläge von 50 % bzw. min. 100 Euro, sofern die gesamte von den ÜNB kontrahierte Regelleistung in einer Viertelstunde zu mehr als 80 % ausgeschöpft werden muss. Demgegenüber ist der Spotmarktpreis an der Börse EEX mit max. etwa 80 Euro/MWh (2014) erheblich weniger volatil und damit für die Bewirtschaftung sehr viel risikoärmer. Die Verantwortlichen zur Ausführung der Differenzmengen-Bewirtschaftung ergeben sich aus dem im jeweiligen Netzgebiet angewendeten Bilanzierungsverfahren. Das Verfahren legt der Verteilnetzbetreiber fest.
Zwei Verfahren stehen zur Auswahl:
■ synthetisches Verfahren
■ (erweitertes) analytisches Verfahren
Beim synthetischen Verfahren bewirtschaftet der VNB die Differenzmengen aller Lieferanten in seinem Differenzbilanzkreis. Beim analytischen Verfahren bewirtschaftet jeder Lieferant seine Differenzmengen in seinem Händlerbilanzkreis.

Qualität der täglichen Restlastermittlung von zentraler Wichtigkeit
Eine zentrale Rolle spielt in beiden Verfahren die vom VNB täglich nach Liefertag zu ermittelnde Restlast:
Restlast = Gesamte Netzlast (alle Einspeisungen)
– Summe der Lastgänge aller lastganggemessenen Kunden
– Netzverluste

Die Restlastkurve umfasst die realen viertelstündlichen Energiemengen aller nicht lastganggemessenen Kunden, d. h. die realen Entnahmen aller Lastprofilkunden. [...]


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