Monopolsparten in SAP S/4HANA Utilities – Prozesssichere Kommunikation ohne EDIFACT
Webservice-basierte PDoc-zu-PDoc-Kommunikation für VNB, MSB und Lieferant
Ausgangslage: Monopolsparten im Transformationskontext
Mit der Transformation nach SAP S/4HANA Utilities und der Einführung der SAP Market Communication Cloud (MaCo Cloud) stellt sich für viele Versorgungsunternehmen eine zentrale Frage: Wie wird der Datenaustausch für Monopolsparten künftig organisiert?
Während die MaCo Cloud auf regulierte Sparten wie Strom und Gas ausgelegt ist, bleibt für Monopolsparten eine strukturelle Lücke. Die bisherige Orientierung an EDIFACT-Nachrichten aus der regulierten Welt lässt sich nicht eins zu eins übertragen. Gleichzeitig besteht der Anspruch, eine prozessuale Äquivalenz zwischen regulierten und nicht regulierten Sparten beizubehalten – insbesondere im Monitoring und in der Nachvollziehbarkeit über Prozessdokumente.
Vor diesem Hintergrund wurde eine marktweit einsetzbare Lösung entwickelt – als Gemeinschaftsprodukt innerhalb der Utilities Enablement Community von Energy4U, Natuvion und cronos.
Architekturansatz: Webservice statt EDIFACT
Die Lösung basiert technologisch auf bestehenden SAP-Frameworks, insbesondere der Application Process Engine (APE) und dem MDX-Framework. Anstatt EDIFACT-Formate zu nutzen, erfolgt die Kommunikation direkt zwischen Prozessdokumenten über einen Webservice.
Dieses Konzept schafft mehrere Vorteile:
- Entkopplung von Formatänderungen
- Nutzung stabiler Webservice-Schnittstellen
- Mandanten- und systemübergreifende Kommunikation
- Persistenz aller Vorgänge über Pdocs
Technisch entsteht eine PDoc-zu-PDoc-Kommunikation, bei der das Prozessdokument im sendenden System über einen Webservice direkt das korrespondierende Prozessdokument im empfangenden System erzeugt. Die Schnittstelle stellt dabei ausreichend Datenfelder zur Verfügung, um alle relevanten Informationen zu übertragen. Erweiterungen um kundenspezifische Inhalte sind möglich.
Sehen Sie jetzt die Aufzeichnung der compactSession von Guido Kleier: Die Lösung für den Datenaustausch zu den Monopolsparten unter SAP S/4HANA Utilities - Update zur Version 2.0
S/4-zu-S/4 und Übergangsszenarien mit R/3
Zielbild ist eine S/4HANA-zu-S/4HANA-Kommunikation zwischen den beteiligten Marktrollen. In der Praxis verlaufen Transformationsprojekte für die unterschiedlichen Marktrollen jedoch zeitversetzt. Daher unterstützt die Lösung auch Übergangsszenarien, bei denen eine Marktrolle noch in SAP R/3 betrieben wird.
Im R/3-Kontext wird auf bestehende Monopolspartenprozesse aufgesetzt. Die klassische IDoc-Kommunikation wird durch Webservice-Aufrufe ersetzt.. Der Schwerpunkt im R3 liegt auf der Einrichtung des Webservices sowie einem Mapping zwischen R/3 und der Schnittstelle.
Stammdatenmodell und Rollenverteilung
Aufgabe pro Marktrolle
LIEF
- Abrechnung der Verbräuche
- Kommunikation mit dem Kunden
- kaufmännische Daten
- Geschäftspartner
- Vertragskonto/ Vertrag
- Informationen zu Verbräuchen
- Messwerte
- Zählernummer
VNB/MSB
- Installation und Verwaltung der Messtechnik
- Ermittlung und Kommunikation der Messwerte
- technische Stammdaten
- Zählerinformationen
- Ermittlung der Verbräuche
- Messwerte
- Zählernummer
Das Stammdatenmodell orientiert sich am klassischen IS-U-Modell mit Geschäftspartner, Vertragskonto, Vertrag, Anlage und Geräteinformationen.
Dabei werden für die Marktrollen Netz und Messstellenbetrieb unterschiedliche Szenarien unterstützt:
- Kombination VNB und MSB in einem Mandanten
- Reiner MSB mit MOS Billing ohne klassischen Vertrag
- Getrennte Marktrollen über Mandanten oder Systeme
Die Lieferantenseite übernimmt die kundenzentrischen Prozesse und Abrechnung. Zählerstände und technische Informationen wie Gerätewechsel werden vom VNB/MSB bereitgestellt.
Unterstützte Prozesse
Die Lösung deckt zentrale Monopolspartenprozesse ab:
- Einzug und Auszug
- Stammdatenänderungen
- Gerätewechsel
- Messdatenaustausch in beide Richtungen
- Messwertanfragen
- Stilllegung
- Sperr- und Entsperrprozesse
Alle Prozesse werden über Prozessdokumente persistiert und sind vollständig nachvollziehbar.
Stammdatenänderung über PDoc-Kommunikation
Eine Namensänderung beim Geschäftspartner auf Lieferantenseite löst über das MDX-Framework eine Ausgangsverarbeitung aus. Es werden Prozessdokumente für MaLo und MeLo erzeugt, die anschließend über den Webservice an die VNB/MSB-Seite übertragen werden.
Dort entsteht das korrespondierende Prozessdokument. Änderungen können automatisiert oder – je nach Customizing – über Klärfalldokumente verarbeitet werden. Automatisierungsgrade sind kundenspezifisch konfigurierbar.
Sperr- und Entsperrprozesse
Beim Anlegen eines Sperrbelegs auf Lieferantenseite wird über den Status ein Trigger ausgelöst. Ein Prozessdokument wird erzeugt und an die Gegenseite übertragen. Dort entsteht ein entsprechender Sperrbeleg.
Die Kommunikation funktioniert in beide Richtungen für die folgenden Prozessschritte:
- Sperrauftrag
- Rückmeldung
- Entsperrung
- Stornierung
Messwertkommunikation
Auch Zählerstände und Verbräuche werden über Prozessdokumente kommuniziert. Nach erfolgreicher Plausibilisierung erzeugt das MDX-Framework ein entsprechendes PDoc, das an die Gegenseite übertragen wird.
Alle Messwertvorgänge sind damit transparent dokumentiert und nachvollziehbar – sowohl im S/4- als auch im R/3-Übergangsszenario.
Stilllegung und kundenspezifische Erweiterungen
Mit Version 2.0 wurde der Prozess „Stilllegung“ ergänzt. Dabei werden nach Auszug und Geräteausbau zusätzliche Anpassungen in Anlagenzeitscheiben, Tarifdaten oder Ableseeinheiten berücksichtigt. Diese Schritte sind typischerweise kundenspezifisch und werden im Rahmen der Implementierung konfiguriert.
Die Lösung erlaubt die Einbindung zusätzlicher Kundenprozessschritte innerhalb der Prozess-IDs. Dadurch können individuelle Codings oder Erweiterungen integriert werden.
Kostenmodell und Implementierung
Das Lizenzmodell ist nutzungsbasiert und orientiert sich an der Anzahl der MaLo-Zählpunkte im Monopolspartenkontext auf VNB/MSB-Seite.
Anpassungen auf der R3 Seite können teilweise durch den Kunden selbst erfolgen, begleitet durch Coaching.
Fazit: Marktweite Lösung für Monopolsparten
Die Monopolspartenlösung schafft eine stabile, webservicebasierte Kommunikationsarchitektur für SAP S/4HANA Utilities. Sie ersetzt EDIFACT-abhängige Strukturen durch eine direkte PDoc-zu-PDoc-Kommunikation und integriert sich in die bestehende SAP-Frameworks wie APE und MDX.
Durch Unterstützung von Übergangsszenarien, Automatisierungsmöglichkeiten und Erweiterbarkeit entsteht eine marktfähige, standardisierbare Lösung, die sich flexibel in laufende Transformationsprojekte integrieren lässt.
Damit wird der Datenaustausch für Monopolsparten auch unter S/4HANA strategisch abgesichert und prozessual transparent abgebildet.
Mehr erfahren:
UEC MoSpa
FAQ
Monopolsparten sind nicht regulierte Versorgungssparten, deren Datenaustausch nicht über die üblichen Marktkommunikationsprozesse für Strom und Gas abgedeckt wird. Da die SAP Market Communication Cloud auf regulierte Sparten ausgerichtet ist, wird für Monopolsparten eine separate Lösung benötigt, die Prozesse systemübergreifend abbildet und nachvollziehbar dokumentiert.
Die Kommunikation erfolgt direkt zwischen den Prozessdokumenten der beteiligten SAP-Systeme. Ein Prozessdokument im sendenden System erzeugt über einen Webservice das zugehörige Prozessdokument im empfangenden System. Dadurch werden keine EDIFACT-Nachrichten benötigt.
Ja. Neben der Kommunikation zwischen zwei SAP-S/4HANA-Systemen unterstützt die Lösung auch Transformationsszenarien, in denen einzelne Marktrollen noch mit SAP R/3 arbeiten. Dabei werden bestehende Monopolspartenprozesse weiterverwendet und die bisherige IDoc-Kommunikation durch Webservice-Aufrufe ersetzt.
Die Lösung unterstützt unter anderem Ein- und Auszüge, Stammdatenänderungen, Gerätewechsel, Messwertanfragen, den Messdatenaustausch sowie Stilllegungs-, Sperr- und Entsperrprozesse. Die Kommunikation kann dabei zwischen Lieferant, Verteilnetzbetreiber und Messstellenbetreiber erfolgen.
Alle Vorgänge werden über Prozessdokumente persistiert und bleiben dadurch transparent nachvollziehbar. Gleichzeitig ermöglicht der Webservice eine mandanten- und systemübergreifende Kommunikation, kundenspezifische Erweiterungen und individuell konfigurierbare Automatisierungsgrade.